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Über die Rasse

Über die Geschichte, den Ursprung und die Entwicklung des heutigen Achal-Tekkiners gibt es bereits viele Dokumentationen, weshalb wir uns entschlossen haben, dies hier nicht noch einmal zu wiederholen. Vielmehr möchten wir an dieser Stelle über eigene Erfahrungen im Leben und Arbeiten mit diesen außergewöhnlichen Pferden berichten.

Alle bisher mit den verschiedensten Pferden unterschiedlichster Rassen gemachten Erfahrungen schienen im Umgang mit dem Achal-Tekkiner nicht mehr ausreichend, um ihre Beachtung, ihr Vertrauen und ihre Zuneigung zu gewinnen.

Beim ersten Kontakt zeigen die meisten Tekkiner eine vornehme Zurückhaltung, nur Fohlen und Jungpferde, welche in engem Kontakt zum Menschen aufgewachsen sind, gehen neugierig auf Fremde zu.Es dauert sehr viel länger als bei anderen Pferden, bis sie den Bemühungen einer Kontaktaufnahme Beachtung schenken. Die üblichen Lockmittel - Äpfel, Brot u.a. Leckerbissen - erweisen sich da oft als völlig wirkungslos. Sie beobachten ihr Gegenüber sehr genau und kennen uns schon nach kurzer Zeit besser, als wir uns selber kennen. In der täglichen Arbeit, im Umgang halten sie uns dann ganz klar und unverblümt den Spiegel vor. Alle unsere unbewußten,  unkontrollierten Körpersignale bringen sie sofort in ihrem Verhalten uns gegenüber zum Ausdruck. Sind wir gestreßt, nervös, gereizt in den Stall gekommen, so werden sie sich genau so benehmen und jeder Zuschauer  könnte denken unser Pferd sei zickig, nervös oder schwierig. Sobald wir uns dieser Tatsache bewußt sind und unsere Signale kontrollieren können, haben wir ein völlig neues, ausgeglichenes Pferd, welches bereit ist, alles für uns zu tun, schon beim leisesten Gedanken an die nächste Aufgabe wird es diese ohne Zögern ausführen. Trotzdem werden sie ihre Souveränität niemals aufgeben. Sind wir unsicher in unseren Gedanken, zögernd  in unseren Bewegungen, dann werden sie blitzschnell ihre eigene Entscheidung treffen, um die Aufgabe - eine schwierige Situation im Gelände, oder am Sprung - zu meistern.     

Watan(=Ursprung, Vaterland) war erst wenige Wochen bei uns, als wir mit ihm und Wassilissa ausritten. Auf einer Galoppstrecke erschreckte sich die Stute, die vorne ging, und sprang zur Seite, stoppte  kurz vor einem im Weg liegenden Holzhaufen, hatte aber noch zu viel Schwung und sprang dann doch. Inzwischen war ich, aus dem Gleichgewicht und aus dem Sattel gekommen, vor ihr auf dem Waldboden gelandet. Sie konnte nicht mehr ausweichen und traf mich mit dem Huf mit einem lauten Krach auf die Brust, mehrere Rippen schienen gebrochen und ich bekam keine Luft mehr, aus einer Kopfplatzwunde lief mir das Blut in Strömen übers  Gesicht, während die Stute im Wald verschwand. Watan wieherte ihr nach und wollte mit meiner Frau im Sattel hinter ihr her, ließ sich aber sofort abwenden und blieb unangebunden stehen, bis mich meine Frau auf  seinen Rücken verfrachtet hatte.Er wußte sofort, daß er zurück zum Stall mußte. Er lief den direkten Weg zurück, versucht zu traben, merkte aber, daß ich es nicht aushalten konnte und ab da einen sehr schnellen Schritt. Passanten wollten mir helfen und den Hengst über die Autobahn- brücken führen, er blieb stehen und ließ sich keinen Millimeter weiter bewegen, erst als man ihn losließ ging er wieder weiter, um mich zu  unserem etwa 10Km entfernt liegenden Stall zu bringen. Ich hätte ihn nicht halten oder lenken können, hätte er nicht verstanden, um was es hier ging, was ich in Gedanken von ihm erhoffte. 

Watan war in jeder Situation ein Ausnahme-Hengst. Er war immer cool und ausgeglichen, sanftmütig und intelligent. Unser erstes Fohlen aus Wassilissa, Mevlana, war bereits geboren, unsere zweite Stute Gulsara sollte im Frühjahr erstmals von Watan gedeckt werden. Watan stand auf der Koppel und Gulsara, als beste Entriegelungs- künstlerin unseres Stalles, hatte sich wohl gedacht, diese Aktion etwas vorzuverlegen. Sie entsicherte den Riegel ihrer Stalltüre, übersprang das Weidetor und spazierte zu Watan auf die Koppel, worüber er - sie war hochrossig - sichtlich begeistert war und förmlich auf sie zuschwebte, als meine Frau die beiden bemerkte und Watan zurückrief.    Er stoppte, blieb stehen, bis sie die Stute am Halfter aus der Koppel geführt hatte. Im Gelände ging er ohne Sattel und Trense, nur auf Stimme, mit seinen Stuten, auch wenn diese rossig waren. Mehr als einen kleinen Flirt genehmigte er sich unter dem Reiter nicht. Er war eine ganz besondere Persönlichkeit, er lehrte uns, was ein Achal-Tekkiner wirklich ist, wie sie mit uns arbeiten und leben wollen.Diese feine Art hat Watan auch all seinen Kindern - Mevlana(=Heimat der türk. Derwische), Gülseren(=Rosen- strauch), Güzel Kiralice(=schöne Königin), Hilal(=oriental. Halbmond) und Karakacan - mitgegeben.

Auch die beiden Halbbrüder Abdulrachman und Ajtasch(=Mondstein) haben diese feine Art im Umgang und einen unermüdlichen Leistungswillen, welchen sie an ihre Kinder weiter geben.

Mit Syrat(=Schnelligkeit) und Gardasch(=Freund) begann eine neue intensive Erfahrung. Schon Watan und alle bisher bei uns lebenden und aufgewachsenen Tekken hatten uns gezeigt, daß der Tekke durch seine Intelligenz und Sensibilität in der Lage ist unsere Gedanken zu verstehen und darauf zu reagieren. Syrat testete zu Anfang alle seine neuen Bezugspersonen, er provozierte, spielte und akzeptierte jeden von uns erst, als wir in der Lage waren bei all diesen Spielchen cool und gelassen zu bleiben. Ab diesem Zeitpunkt war er bereit, alles für uns zu tun. Er meistert jede noch so schwierige, beängstigende Situation absolut gelassen.Gardasch war immer gerade und direkt, aber extrem dominant und willenstark Er ist ein ausdauernder Kämpfer, hoch intelligent und unerschrocken, beim Reiten eine absolute Lebensversicherung. Zu seiner Bezugsperson - hier meine Frau - baut er eine sehr enge und intensive Bindung auf. Im Kontakt zu anderen Pferden hatte er, durch seine bisherigen Lebensumstände, keine artgerechten Erfahrungen machen können. Er war anfangs sehr hengstig und nicht einfach. Erst durch intensiven Kontakt und Alpha-Trainig ist er heute, auch in Anwesenheit von anderen Pferden, ohne Sattel zu reiten und mit Stimme und Gedanken zu dirigieren. Ein echter Kamerad und Freund.

Man muß einen Tekke wirklich lieben, um mit ihm zu arbeiten - brechen kann man ihn nicht!  Wir haben bis heute fast alle althergebrachten und neuen Umgangs- und Ausbil- dungslehren mit diesen Pferden ausprobiert. Ohne jedes einzelne von ihnen ehrlich zu lieben, führt keine dieser Lehren wirklich zum Ziel.

Championat 2005

Mitglied in

Achal Tekkiner Verein
Zuchtverband für Deutsche Pferde
Reiterliche Vereinigung
MAAK Achal Tekkiner Dachverband